Kennzahlen des Entwurfs
Nutzungsverteilung:
Wohnen: ca. 41.700 m2
463 Wohneinheiten (Ø 75m2)
Gewerbe: ca. 18.500 m2

Gebäudehöhen: 7 – 18.5 m
Straßen/ Plätze: ca. 11.000 m2
Grünflächen: ca. 8.300 m2

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Nutzungsverteilung

Der Entwurf aus der Vogelperspektive

Der Erschließungsplan

Entwurf coido architects

coido architects

Die Vielfalt des Stadtteils Ottensen prägt auch das neue Quartier: In Maßstab, Struktur und Nutzung bestimmt nicht das Gleichmaß das Bild sondern Varianz und Differenzierung. Die vorhandenen postindustriellen Strukturen werden dort wo sinnvoll erhalten, teilweise in Ihrem Zustand belassen, teilweise hochwertig saniert und mit passenden Neubauten zu einem atmosphärischen, charakterstarken Städtebau verdichtet.

Städtebauliche Struktur
Die linear Nord-Süd ausgerichtete Struktur der großen Bestandshallen wird durch die ergänzenden Gebäude und Elemente aufgenommen. Individuell ausgeprägte, durchlässige Höfe positionieren sich an den und um die Bestandsgebäude. Der bereits vorhandene zentrale Platz wird zum öffentlichen Zentrum „Kolbenhofterrassen“ weiterentwickelt.
Im Osten ersetzen Neubauten die Hallen 1 bis 4. Vor der Halle 6 wird der bereits vorhandene zentrale Platz erhalten, neu geordnet und gefasst und gibt somit dem Quartier weiterhin eine Mitte und Identität.

Gebäudetypen
Gemäß der Leitidee der Vielfalt sind unterschiedlichste Gebäudetypen vorgesehen, die sich im Stadtbild zu einer spannungsvollen Einheit ergänzen.
Mehrgeschossiger Wohnungsbau wechselt sich mit Stadthäusern und einem hohen frei stehenden Gebäude ab, alles jedoch in eine ordnende Blockstruktur eingebunden. Flexible Baustrukturen im Atelier- und Gewerbebereich bieten breite Nutzungsmöglichkeiten.

Gebäudebestand
Die vitale Altbaustruktur wird erhalten und mit neuen Nutzungsideen wieder zu Leben erweckt. Hierbei werden unterschiedliche Konzepte angewandt, von einer „Sanierung light“ bis zu einer bautechnischen und energetischen Vollsanierung. In den Bauten, die eine „Sanierung light“ erhalten, können weiterhin sehr günstige Mieten angesetzt werden und auch die momentanen Zwischennutzer auf dem Gelände können u.a. hier ein neues Zuhause finden. Auch das störende Gewerbe soll hier untergebracht werden. Ergänzende Neubauten machen die Bestandsgebäude in der Nutzbarkeit und Vermarktbarkeit flexibler („Atelierwelten plus Wohnen“ an Halle 6).

Verteilung der verschiedenen Nutzungen
Zusammengefasst entwickelt sich die Nutzungsverteilung von einem Gewerbeschwerpunkt im Nordwesten des Gebietes (Halle 7) fließend linear zu einem Wohnungsbauschwerpunkt im Süden und Westen des Areals. Auf dem Weg werden verschiedenste Mischungen von Wohnen und Gewerbe realisiert.

Das störende Gewerbe wird konsequent in Halle 7 im Schlagschatten des Hochhauses Euler Hermes angesiedelt. Grundsätzlich sind die gewerblichen Nutzungen im nördlichen Bereich und die Wohnnutzungen im südlichen Bereich bis an die Friedensallee konzentriert. Dabei sind die Grenzen der Mischung jedoch nicht klar sondern weich und verschwimmend.

Freiraum und Grünraum
In das Quartier sind zahlreiche Teilräume (Höfe) integriert, die jeweils individuell auf die Umgebende Stadtstruktur und Nutzung reagieren. Sie sind untereinander verbunden und ermöglichen mit ihrer Offenheit immer einen hoher Grad an Durchlässigkeit im Quartier.
Die einzelnen Höfe sind ihrer Nutzung angepasst jeweils unterschiedlich intensiv begrünt, im Wohnmilieu intensiver, in der gewerblichen Nutzung reduzierter. 
Im östlichen Bereich ist eine Quartierswiese geplant, zwischen den Quartieren sind kleine „Pocketparks“ auch als Puffer zwischen unterschiedlichen Nutzungen angeordnet.
Der zentrale Platz – die „Kolbenhofterrasse“ – ist als multifunktionale Fläche geplant. Hier sollen Quartiersevents, Märkte und Veranstaltungen stattfinden können.

Erschließung
Prinzipiell soll das Quartier möglichst autoarm organisiert werden. Bis auf wenige oberirdische Stellplätze ist der ruhende Verkehr in mehreren – den verschiedenen Baufeldern zugeordneten – Tiefgaragen untergebracht. Die Haupterschliessung von der Friedensallee findet bewusst IM Quartier statt und nicht NEBEN dem Quartier im Westen. Nutzung und Materialisierung der Wege soll im Sinne eines „shared space“ erfolgen.
Ein Nahversorgungsbereich mit Stellplätzen befindet sich gleich zu Beginn. 
Die Wegeverbindung führt weiter durch den Gewerbebereich bis zum nordöstlich gelegene Atelierhof.

Detailliertere Erläuterungen von coido architects zur Entwurfsidee

 



 

Hier sehen Sie den ersten eingereichten Entwurf des Büros coido architects für das Areal an der Friedensallee.

Dieser wurde nach einer ersten Preisgerichtssitzung, nach der drei der zehn Architekturbüros zur Konkretisierung aufgefordert wurden, noch einmal überarbeitet (siehe Entwurf oben). Grundlage der Überarbeitung waren die Ergebnisse der „Gläsernen Werkstatt“ sowie des Online- und Vor-Ort-Dialoges.

 

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Begründung des Preisgerichtes
aus der ersten Phase

Das Konzept überzeugt mit vielen Qualitäten und guter Funktionalität in allen Belangen. Der Entwurf fügt sich wie selbstverständlich in die vorhandenen städtebaulichen Strukturen der Umgebung ein. Für die weitere städtebauliche Entwicklung nach Osten werden gute Anschlussmöglichkeiten ausgebildet. Der zentrale Platz, das Wohnraumangebot, insbesondere die nördliche Ausdehnung und der Umgang mit Bestandsgebäuden sind gelungen. Ebenfalls positiv wird die Eingangssituation bewertet, die in das Quartier hineinleitet und mit der einfachen Erschließung eine gute Adressbildung ermöglicht.

Auswertung der Bürgerkommentare, Überarbeitungshinweise an die Architekten
Für diese Auswertung wurden sowohl die Onlinekommentare als auch die Beiträge vom Infostand im Mercado und der Gläsernen Werkstatt berücksichtigt. Beiträge insgesamt: 72


Die am häufigsten genannten positiven Stichworte (alphabetische Reihenfolge)

Anteil Freiflächen ausgewogen | Bebauungsstruktur | Durchwegung | Erhalt Hallen | Erhalt zentraler Platz | Hofstruktur | Maßstäblichkeit |Nutzungsmischung | Nutzungsverteilung | Vielfalt

Die am häufigsten genannten negativen Stichworte (alphabetische Reihenfolge)

Anbindung Gewerbe | Bebauungsstruktur | Erhalt Hallen | kein Erhalt Hallen | Maßstäblichkeit | Nutzungen Hallen | Nutzungsmischung | zu wenig emittierendes Gewerbe | zu wenig Gewerbe | zu wenig Wohnen


Grafisch-quantitative Auswertung der drei Fragen des Bewertungsbogens



Neben Wertungen und Meinungen äußerten einige Teilnehmer auch konkrete Verbesserungsvorschläge zum Entwurf. Aus diesen Vorschlägen wurden Fragen formuliert.

„Für die Weiterentwicklung des Entwurfes wäres es toll, Familienwohnen, Mehrgenerationenwohnen und Baugruppen zu integrieren.“
>> Wie würden sich solche Angebote integrieren lassen?

„Es fehlt an Gewerbeflächen für Handwerk und emittierendes Gewerbe. Die Flächen liegen bisher sehr am Rand und benötigen mehr Lagerflächen.“
>> Wo könnten zusätzliche Flächen geschaffen werden?

„Schade ist, dass die Haupterschließung (auch des Gewerbeverkehrs) mittig durch das Wohngebiet führt. Im Quartier sollte weniger Fahrzeugverkehr stattfinden und die Zuwegung zum Gewerbe nicht durch den Wohnbereich führen. Es fehlt auch eine repräsentative fußläufige Erschließung.“
>> Kann man das nicht anders lösen?

„Der Entwurf enthält viele Neubauten und erhält die schwer zu nutzende Halle 7 als Zwischennutzung. Es wäre wünschenswert, die alten Strukturen und historischen Hallen in das Konzept einzubeziehen.“
>> Welche Hallen können für jetzige Gewerbetreibende erhalten bleiben? Oder könnte auf andere Weise die Identität des Ortes erhalten bleiben?

„Insgesamt sind noch mehr Grünflächen, evtl. auch auf Dächern, gewünscht.“
>> Welche Orte sind hier geeignet?

Stellungnahme der Architekten zu den Überarbeitungshinweisen

coido architects nahm zu den fünf Fragen der Bürger Stellung und ergänzte zwei Skizzen.

Bürgerkommentar: “Für die Weiterentwicklung des Entwurfes wäre es toll Familienwohnen,
Mehrgenerationenwohnen und Baugruppen zu integrieren.”

ANTWORT DER ARCHITEKTEN
Im bisherigen Entwurf sind bereits explizit Bereiche für Familienwohnen, Baugruppen und Mehrgenerationenwohnen benannt (siehe Beschriftung in den Plänen). Wir halten dies im Sinne einer Nutzermischung für ein lebendiges Wohnumfeld für wichtig und können uns auch eine Ausweitung dieser Wohnformen gut vorstellen.

Bürgerkommentar: “Es fehlt an Gewerbeflächen für Handwerk und emittierendes Gewerbe. Die Flächen liegen bisher sehr am Rand und benötigen mehr Lagerflächen.”

ANTWORT DER ARCHITEKTEN
Die Flächen für emittierendes Gewerbe liegen unserer Meinung nach sinnvollerweise im bereits lärmbelasteten Bereich an der Bahntrasse und bei Schwarzkopf. Insgesamt sind in der momentanen Planung ca. 9.000 qm emittierendes Gewerbe möglich, was wir in der Gesamtbilanz der Nutzungen für ausreichend halten.*
Über eine Vergrößerung der Lagerflächen wollen wir gerne nachdenken.

*Hinweis des Auslobers: Es existiert keine Flächenvorgabe innerhalb der Verteilungen der Gewerbearten (störendes / nicht störendes Gewerbe).

Bürgerkommentar: “Der Entwurf enthält viele Neubauten und erhält die schwer zu nutzende Halle 7 als Zwischennutzung. Es wäre wünschenswert, die alten Strukturen und historischen Hallen in das Konzept einzubeziehen.”

ANTWORT DER ARCHITEKTEN
Der Entwurf verzichtet auf die Erhaltung der stark kontaminierten Hallen 1-4 und platziert an dieser Stelle moderne, gut nutzbare Strukturen für störendes Gewerbe, Gewerbe und Wohnen, während die Hallen 6 und 7 erhalten werden.
Die Halle 7 gehört mit ihrem Shed-Dach zu den besonders identitätsstiftenden Gebäuden auf dem Gelände (der Verein “Kolbenhöfe”* hat sie zu seinem Logo gemacht) und sie ist unserer Meinung nach sehr wohl gut in Joche teilbar, die durch die Oberlichter sehr gut belichtet werden und von beiden Seiten des Gebäudes erschlossen werden können.
Betrachtet man die potentielle Erweiterungsfläche “Euler Hermes” und das Kolbenschmidt Areal zusammen, so liegt die Halle 7 im geografischen Zentrum dieses Gebietes und kann auch für die Erweiterungsfläche eine besondere identitätsstiftende (und funktionale) Rolle übernehmen.

*Hinweis d. Redaktion: Der Verein trägt den Namen Kolbenhof e.V.

Bürgerkommentar: “Insgesamt sind noch mehr Grünflächen evtl. auch auf den Dächern gewünscht.”

ANTWORT DER ARCHITEKTEN
Im Sinne der Flächenvorgaben ist die verfügbare Fläche für GrünflaÅNchen nahezu ausgeschöpft. Eine weitere Begrünung und Nutzbarmachung von Dachflächen halten wir für sinnvoll und würden diese in einer Überarbeitung integrieren (siehe Handskizze Vogelflug).

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Bürgerkommentar: “Schade ist, dass die Haupterschliessung (auch des Gewerbeverkehrs) mittig durch das Wohngebiet führt. Im Quartier sollte weniger Fahrzeugverkehr stattfinden und die Zuwegung zum Gewerbe nicht durch den Wohnbereich führen. Es fehlt auch eine repräsentative fußläufige Erschließung.”

ANTWORT DER ARCHITEKTEN
Wir haben uns im Team (mit Landschaftsarchitekt und Verkehrsplaner) nach intensiver Diskussion für eine zentrale Zuwegung entschieden, auf der auch gewerblicher Verkehr stattfindet – wie in Ottensen üblich. Wir meinen, dass hier ein intensiv genutzter, bunter „shared space“ entstehen kann mit Geschäften und kleinen Ateliers, die auf Kunden- und Lieferverkehr angewiesen sind und das Viertel bereichern. Weiterhin sind wir der Meinung auch im Sinne der Lebendigkeit des Quartiers, dass die Erschliessung mittig im Quartier und nicht „neben“ dem Quartier z.B. an der Grenze zu Euler Hermes stattfinden sollte. Eine potentielle Neuentwicklung dort wäre somit auch nicht von vornherein verkehrlich belastet. Um den Gewerbeverkehr von einem Teil des Wohngebietes zu lösen, würden wir eine Umlegung
der Zufahrt zum nordöstlichen Gewerbebereich zwischen Halle 6 und 7 prüfen (siehe Skizze Fahrzeugverkehr), womit der Wohnbereich südlich und östlich der Kolbenhofterrasse vollkommen autofrei wäre und die Erschliessung der gewerblich genutzten Hallen 6 und 7 optimiert würde.

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